Wenn man heute über Mallorca und professionelle Fotografie spricht, wird zwangsläufig der Name Nando Esteva fallen, der trotz seines jungen Alters bereits auf 20 Jahre Berufserfahrung zurückblicken kann. Er hat sowohl für seine Auftragsarbeiten als auch für sein künstlerisches Schaffen zahlreiche Preise gewonnen. In einer Pause zwischen zwei Reisen (in die Karibik und nach Asien) haben wir die Gelegenheit, mit ihm in seinem Studio in Palma zu sprechen. Wir sind dankbar, dass er uns bei seinem Kurzaufenthalt auf der Insel diese Zeit widmet.

Bei welcher Gelegenheit wurde Ihre Liebe zur Fotografie geweckt und wann merkten Sie, dass Sie davon auch leben können?
–Ich war ganz jung, schon mit 16 Jahren beschloss ich, diesen Beruf zu wählen. Bis heute, nachdem ich mich 24 Jahre lang intensiv der Fotografie gewidmet habe, bin ich glücklich mit allem, was mir dieser Beruf gebracht hat.

Wie alt waren Sie, als Sie Ihre erste Kamera bekamen? Wissen Sie noch, welche das war?
–Meine erste Kamera war eine analoge Hasselblad, die ich in Barcelona gebraucht gekauft habe.

Welche Ausbildung bzw. welches Studium haben Sie absolviert?
­–Ich bin absoluter Autodidakt.

Mallorca ist nicht die Heimat großer Fotografen. Wer waren Ihre Lehrer?
–Es gibt sehr gute Fotografen wie beispielsweise Pedro Coll, Paulino etc… In anderen Bereichen hat Mallorca große Künstler hervorgebracht, in der Fotografie waren es zwar weniger, aber diejenigen, die es geschafft haben, sind Meister ihres Handwerks.

Sie haben sich auf Gastronomie, Restaurants und Hotels spezialisiert. Was davon mögen Sie am meisten?
–Ich habe mich auf Gastronomie und Architektur/Hotels spezialisiert, und diese Bereiche gehen eigentlich stark ineinander über. Darum konnte ich glücklicherweise auch künstlerisch mit meiner „Food Art“ tätig werden.
Diese Seite meiner Arbeit, die Kunst, begeistert mich. Derzeit verkaufe ich viele Bilder für die Innenausstattung von Häusern, Hotels und auch an Sammler. Ich liebe die Vorstellung, dass meine Fotos das Zuhause anderer schmücken.

Ich denke, Ihre künstlerische Ader wird mehr durch die Möglichkeiten eines Gerichts als durch ein Hotelzimmer inspiriert, oder?
–Ja, natürlich. Fotoproduktionen und künstlerisches Schaffen sind zwei Paar Schuhe. Die Kunst, die aus mir selbst kommt, lässt mich wachsen und entwickeln. Auf der anderen Seite kann ich es aber auch nicht lassen, weiterhin meine Produktionen zu machen – das ist ein bisschen wie bei einer Droge.

LUX, IPA, One Eyeland, Florencia-Shanghái, Paris Px3, Moskau, Hasselblad Master Awards. Die vielen Auszeichnungen, die Sie von unterschiedlichsten Juroren an vielen Orten dieser Welt erhalten haben, sind Ausdruck Ihrer Internationalität. Haben Sie auch Kunden außerhalb von Mallorca?
–Viele Kunden auf der Insel und außerhalb Spaniens setzen seit Jahren ihr Vertrauen in meine Arbeit. Ich bin sehr dankbar für dieses Vertrauen, das meine Entwicklung als professioneller Fotograf begleitet hat.

Welches Ihrer prämierten Werke ist Ihr Augapfel?
–Das ist die Serie Rostros – Gesichter. Rostros ist eine Hommage an meinen Vater und an alle, die an Krebs leiden.

Wann werden Sie ein Studio außerhalb Mallorcas eröffnen?
–Ich hatte bereits ein Studio in Madrid, aber ich muss ehrlich gestehen, ich bin lieber auf meiner Insel… Mein Studio hier ist mein Arbeitsplatz, aber ich habe ja das Glück, überall in die Welt reisen zu können und das zu machen, was mir am meisten gefällt.

Es war nicht so einfach, den Moment abzupassen, da Sie auf der Insel sind. Wie viel Zeit verbringen Sie jährlich außerhalb Mallorcas?
–Ich komme und gehe – so verbringe ich die meiste Zeit des Jahres. Meine Familie unterstützt mich dabei bedingungslos.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie und mit welcher technischen Ausrüstung arbeiten Sie?
–Ich habe einen sehr guten technischen Assistenten und selbstständige Fachleute, die ich je nach Auftrag in meine Projekte einbinde.

Was ist Ihre nächste Herausforderung?
–Mich weiter im Bereich Kunst zu entwickeln, neue Fotoserien zu schaffen, die weltweit ihre Anerkennung finden.

Mit welchem Kunden arbeiten Sie noch nicht zusammen, würden es aber gerne tun?
–Ich schätze mich sehr glücklich wegen aller Kunden, für die ich arbeiten darf. Wenn es da noch eine Steigerung geben sollte, so wünsche ich mir, noch mehr im Norden Europas Fuß zu fassen, das ist vor allem im Bereich meiner Produktionen mein Ziel.

Die Technologie zwingt einen in allen Bereichen, auch in der Fotografie, sich diesen Entwicklungen permanent anzupassen – oder man verliert den Anschluss. Sehen Sie das auch so? Was denken Sie über den immer häufigeren Einsatz von Drohnen bei Fotoarbeiten?
–Tatsächlich habe ich mich schon vor drei Jahren entschlossen, einen Führerschein für Drohnen und das Fliegen unbemannter Flugobjekte zu machen. Die technische Entwicklung ist rasant, und man ist gezwungen, dabei auf dem aktuellsten Stand zu bleiben.

Premium ist eine Zeitschrift, die großen Wert auf die grafische Gestaltung legt. Was denken Sie über den Fotojournalismus?
–Ich liebe den Fotojournalismus, habe aber auch großen Respekt davor, denn man braucht ein gutes Auge, um im richtigen Moment ein gutes Foto zu machen. Daher bewundere ich die Fotojournalisten für ihre Geschicklichkeit und ihr Reaktionsvermögen.

Noch eine Frage zum Schluss: Sehen Sie sich in Zukunft als Lehrer der Meisterklasse an Ihrer eigenen Fotoakademie?
–Für mich ist es eine große Freude, mit Studenten zu arbeiten und sie in ihrer Ausbildung zu begleiten. Allerdings hat das Unterrichten auch Nachteile, denn am Ende werden die Schüler dich überflügeln (lacht).

Beim Ende unseres Interviews gibt es nur ein Fazit: Nando Esteva ist nicht nur ein großartiger Fotograf, sondern auch ein warmherziger, sympathischer Mensch. Das konnten wir aus der gemeinsamen Zeit mit ihm mitnehmen.

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