„Was vor elf Jahren als Leidenschaft begann, ist inzwischen zu meinem Beruf geworden“

Die Mallorquinerin Tania Presa gilt weltweit eine der wichtigsten Vertreterinnen der Haut Couture der Balearen. Die Liebe zur Mode hat sie seit ihrer Kindheit im Blut. Der Zeitschrift PREMIUM erzählt sie von ihrer Beziehung zur Mode, ihrer Inspiration und ihrer Vorstellung von der Zukunft.

Wie entstand Ihre Verbindung zur Mode?
Ich weiß nicht, ob es Zufall war oder Schicksal, aber meine Großmutter war Schneiderin, und so fühlte ich mich seit meiner Kindheit mit der Mode verbunden, sie ist ein Teil meines Lebens, bis heute.

Die Mode hat mich auf verschiedenste Weise schon immer interessiert. Ich denke, dass meine Großmutter mir meine Kleider nähte, seit ich denken kann, hat unauslöschliche Spuren bei mir hinterlassen. Ich war schon als kleines Kind so fasziniert davon, dass ich anfing, für meine Puppen Kleider zu nähen. Dabei entstanden meine ersten eigenen Entwürfe.

Alle möglichen Arten von Handarbeit haben mich schon immer interessiert, und so lernte ich viele Techniken aus unterschiedlichen künstlerischen Disziplinen, die ich alle in der Welt der Mode einsetzen konnte. Auf diese Weise wurde die Mode, die ja auch eine künstlerische Strömung ist, ohne dass ich es merkte, zu meiner Leidenschaft. Ich sage immer: Ein Maler zeigt seine Werke in Form von Bildern, und ich als Modedesignerin zeige meine Werke in Form von Kleidern. Ich machte meine Leidenschaft vor elf Jahren zu meinem Beruf. Ich liebe meine Arbeit, obwohl sie manchmal mit einer ziemlichen Anspannung verbunden ist. Mit unserer Arbeit machen wir den Traum vieler Frauen für einen der wichtigsten Tage ihres Lebens wahr, und das geht natürlich auch mit einer großen Verantwortung einher.

Zudem ist es manchmal ein Wettlauf gegen die Zeit, denn wir haben Lieferdaten, an denen nicht zu rütteln ist, und dadurch entsteht Druck. Aber andererseits ist die Arbeit für uns persönlich unglaublich erfüllend.
Ich denke, diese Arbeit kann man nur machen, wenn man sie liebt, denn sie wird automatisch zum Mittelpunkt des Lebens. Manchmal geht das so weit, dass das Privatleben in den Hintergrund rückt, es klingt vielleicht seltsam, aber diese Arbeit erfordert 100 Prozent persönlichen Einsatz, wenn man vorankommen will. Die Mode ist eine komplizierte Welt für sich, aber, wie gesagt, die Arbeit ist auch sehr befriedigend, und ich bin glücklich, dass ich sie machen kann.

Ihre Kollektionen entstehen aus…?
Mein Fundament ist die Haute Couture, meine Inspiration kommt von den unterschiedlichen Kundinnen, die zu mir kommen. Jede ist ein anderer Typ, hat ein anderes Alter, einen anderen Stil. Ich richte meine Arbeit nicht nach dem Nutzen aus, wie es die meisten anderen Designer machen, die sich nach einem Thema richten, das sie analysieren und dann als Grundlage für ihre Kollektion nehmen.

Ich möchte, dass meine Kollektionen völlig unterschiedlich sind, und es ist wichtig für mich, dass sich meine Kundinnen, wenn sie zu einer Modenschau kommen, mit einigen meiner Modelle identifizieren können, denn die Kundinnen sind es, für die ich entwerfe. Jedes Jahr stelle ich meine Kollektion mit einer großen Show dem Publikum vor. Die Neuheiten der Saison präsentiere ich bei der großen Hochzeitsmesse, die jährlich in Palma stattfindet, und die komplette Kollektion zeige ich dann ca. ein halbes Jahr später bei einer privaten Schau meiner Marke.

Neben meinen eigenen Kollektionen biete ich den Kundinnen auch an, dass sie beim Design ihres Kleides mitwirken, vor allem, wenn es sich um ein Hochzeitskleid handelt. Ich finde es sehr wichtig, dass die Braut am Tag ihrer Hochzeit ein Kleid trägt, das für ihre Persönlichkeit steht, das ihr Wesen abbildet, das einzigartig ist. Ich erklärte meinen Kundinnen, dass das Kleid ihrer Wahl nicht plötzlich hergezaubert wird, sondern dass sie an dem gesamten Prozess teilhaben, dass sie erleben, wie es entsteht. Das ist etwas ganz besonderes und schönes. Sie sehen das Kleid wachsen und probieren es immer wieder an, um zu sehen, ob es noch geändert werden muss. Mir tut es manchmal in der Seele weh, wenn ich sehe, welch horrende Summen manche Bräute für absolut unpersönliche Hochzeitskleider aus der Massenproduktion ausgeben.

Kann man die Welt durch Mode und Design verändern?
Nur wir selbst können die Welt verändern, mit dem, was wir tun. Aber doch, ich denke, die Mode kann ein Sandkorn im Großen und Ganzen sein, zum Beispiel beim Umweltschutz, bei der Kontrolle von Produktionsstätten in Entwicklungsländern, in denen auch heute noch Menschen ausgebeutet werden.

Ich liebe Tiere, und ich würde mir wünschen, dass es keine Verfahren mehr gibt, bei denen Tiere leiden. Wenn wir die Welt zum Guten ändern wollen, müssen wir diese Dinge meiner Meinung nach in den Griff bekommen. Es gibt immer mehr Unternehmen, die ein Bewusstsein für diese Themen entwickeln, und die Verbraucher achten auch zunehmend darauf, dass die Herstellung nachhaltig und umweltschonend ist.

Wird die Mode Hand in Hand mit feministischen Strömungen gehen, die wir erleben?
Man kann nicht vorhersagen, welche Tendenzen plötzlich zur Mode werden. Aber ich glaube nicht, dass es eine feministische Moderichtung geben wird, mir scheint das paradox, eine Mode, die vom Feminismus inspiriert wird, welche wäre das?

Die Mode erfindet sich Jahr für Jahr neu. Was wird der nächste Schritt sein?
In der Haute Couture war der letzte Trend die Transparenz. Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt, aber weil wir ja meist von einem Extrem ins andere fallen, müssten wir jetzt wieder völlig eingehüllt herumlaufen. Das kann ich mir kaum vorstellen!

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