Auch wenn Agatha Christie sicherlich die berühmteste Krimi-Autorin war, die auf Mallorca gelebt hat, gibt es nach wie vor viele Schriftsteller, die hier auf der Insel einen ruhigen Ort für ihre Arbeit suchen. Mons Kallentoft, der 1968 in Stockholm geboren wurde und seit vier Jahren in Palma lebt, ist einer von ihnen.

Der schwedische Schriftsteller und Journalist ist bekannt für seine Kriminalromane der Kategorie Roman noir, in deren Mittelpunkt die Kommissarin Malin Fors steht und die in 28 Sprachen übersetzt und in zahllosen Ländern dieser Welt verlegt wurden. Allein in Schweden wurden mehr als eine Million Exemplare seiner 20 Bücher verkauft. In Spanien wurde bereits einer seiner Romane übersetzt (Mittwinterblut), in Deutschland und den USA fünf und in Großbritannien acht. Mons Kallentoft versetzt seine Protagonisten in die dunkelsten Winkel der Gesellschaft. Zum Zeitpunkt des PREMIUM-Interviews kamen gerade zwei Neuerscheinungen von ihm auf den Markt – eine in Schweden und eine in Deutschland.

Es ist ein wunderschöner Sonntag in Palma, die Straßen in Santa Catalina, wo Mons Kallentoft wohnt, sind ruhig. Wir treffen uns pünktlich am vereinbarten Ort und müssen sofort beide lachen, weil wir wie alle guten Schweden die Pünktlichkeit lieben. Wir gehen ein paar Schritte über die Straße und setzen uns unter die ausladenden Bäume am Platz. In perfektem Spanisch bestellt er sich einen „cortado“.

Er hat einen arbeitsintensiven Frühling vor sich. In Mai kommt sein Buch In den Fängen des Löwen in Deutschland heraus – der zweite Titel der Romanreihe über Zack Herry auf Deutsch. Die Fährte des Wolfes wurde umgehend zum Bestseller, als das Buch im August letzten Jahres veröffentlicht wurde. Im Juni erscheint dann sein fünfter Krimi Falco in Schweden. Und diesen Sommer noch beginnen die Dreharbeiten für eine Serie im schwedischen Fernsehen nach den Romanen über die Detektivin Malin Fors.


In Linköping, wo Mons aufwuchs, lebt auch Malin Fors, seine Detektivfigur. Da sich der Autor gerne in Großstädten aufhält, lässt er seine Figuren nach Bangkok reisen, wo der neue Titel Devil Doftes spielt. Das schmutzigste Viertel dieser Stadt wird für Malin Fons zu ihrem neuen Alltag zwischen Prostitution und Korruption. Die Idee zu diesem Buch entstand bei seiner Reise nach Thailand. Mons reist immer wieder von Palma in die quirlige asiatische Metropole, um dort ein wenig auszuspannen. Allerdings mag er weder Beachclubs noch Massagen – er fühlt sich wohler in einer Bar mit einem Martini vor sich. So kann er Stunden verbringen und das Leben um sich herum beobachten.

„Ich arbeite gerne, eigentlich ist das meine liebste Beschäftigung. Aber in einer Bar zu sitzen, ist für mich unglaublich entspannend und ich kann mich auf mich selbst konzentrieren. Das einzige Problem ist, wenn man dann betrunken wird“, sagt er lachend.

Obwohl heute Sonntag ist, ist Mons Kallentoft perfekt gekleidet. In seiner Strickweste steckt ordentlich ein Taschentuch und die schon etwas abgetragenen Schuhe glänzen frisch geputzt unter dem Tisch.

Wir gehen Richtung Stadtzentrum und landen im klassischen Café Ca’n Joan de S’aigo. Wir bestellen Cava, Haselnusseis und Mandelkuchen. Essen gehört zu seinen Leidenschaften, und für ein ausgedehntes Mahl gibt er auch mal ein kleines Vermögen aus. Das ist für ihn Lebensqualität.

Ich frage ihn, wie es ihn nach Mallorca verschlagen hat. Er hatte das schlechte Wetter in Schweden satt und wollte nach Spanien zurückkehren, wo er viele Jahre als junger Mann verbracht hatte. Er reiste mit seiner Familie – seiner Frau Karolina und den beiden Kindern – nach Palma, um zu schauen, ob und wie man dort leben könnte. „Wenn man einen Ort auswählt, an dem man leben möchte, ist das als ob man eine Liste erstellt, mit den Dingen, die man sich für diesen Ort wünscht. Und es war ganz leicht, denn hier gibt es alles, Mallorca ist eine wunderbare Insel und Palma ist eine spanische Stadt mit äußerst angenehmer Atmosphäre“, erklärt er.

Ein Teil seines Herzens schlägt nach wie vor für Madrid, wo er mit 19 Jahren hinzog und womit er wunderschöne Erinnerungen verbindet. Er war ein junger Mann, der davon träumte, Autor zu werden. Er verbrachte zwei wilde Jahre in der Stadt, mitten in der Zeit der Madrider „Movida“. Sein Umfeld waren Studenten, und er bewegte sich nahe den Kreisen, aus denen heraus Pedro Almodóvar seine ersten Filme machte.

„Ich erlebte das ununterbrochene Feiern der damaligen Zeit – ehrlich gesagt, machte ich nicht viel anderes. Glücklicherweise hatte ich damals eine spanische Freundin, bei der ich wohnte und die mich durchfütterte. Es waren vergnügliche und verrückte Jahre, aber ich vermisse nichts davon. Böse Jungs müssen jung sein“, meint er.

Während der Zeit, die er in der spanischen Hauptstadt verbrachte, lernte er die spanische Kultur schätzen und besuchte zum ersten Mal einen Stierkampf. „Seitdem entwickelte ich eine große Leidenschaft dafür, und ich ging sooft ich konnte in die Arena. Diese Kunstform zeigt auf perfekte Weise die Brutalität und Fragilität, die auch Teil von uns sind. Alles spielt sich in der Arena ab, und die Schönheit offenbart sich einem, wenn man die Gewalt darin akzeptiert“, erklärt er.

Die verrückten Jahre in Madrid gaben ihm den Impuls zu seinem ersten Buch, das einige Jahre nach der Rückkehr in sein Heimatland erschien („Pesetas“ spielt in Madrid).

Nachdem ich Mons Kallentoft und seinen beeindruckenden Werdegang kennen gelernt habe, verstehe ich, dass es wirklich wahr ist, wenn er sagt, er liebt seine Arbeit. Sie bildet den Mittelpunkt seiner Antriebskraft und Begeisterung.

„Ein Künstler bleibt nicht stehen, er wird niemals Antworten auf das bekommen, was er sucht, und genau das ist ein Teil der Schönheit. Darum schärfe ich meine Werkzeuge, um mich dem Erhabenen anzunähern“, führt Mons Kallentoft aus, bevor wir uns verabschieden.

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